Eine kurze Klettersteigtour kann trotzdem alpinen Respekt verdienen. Die Kleine Cirspitze in den Dolomiten verbindet einen kurzen Zustieg, ausgesetzte Felsstellen und ein außergewöhnliches Panorama auf Sellastock, Langkofel und Puezgruppe. Ich zeige, wie die Tour verläuft, welche Schwierigkeit realistisch ist, welche Ausrüstung du brauchst und worauf beim Abstieg besonders zu achten ist.
Eine kurze Ferrata mit großem Panorama und ernst zu nehmendem Abstieg
- Lage: Die Kleine Cirspitze liegt am Grödner Joch in Südtirol, nahe Wolkenstein.
- Höhe: Der Gipfel erreicht rund 2.520 Meter.
- Schwierigkeit: Technisch wird der Steig meist mit B bis B/C bewertet, wirkt durch die Ausgesetztheit aber anspruchsvoller.
- Zeitbedarf: Je nach Ausgangspunkt solltest du etwa 1,5 bis 2,5 Stunden einplanen.
- Ausrüstung: Helm, Klettersteigset mit Bandfalldämpfer, Gurt und griffige Bergschuhe sind Pflicht.
- Besonderheit: Der Abstieg führt durch eine steile, teils geröllige Rinne und verlangt Trittsicherheit.

Wo die Kleine Cirspitze liegt und was die Tour auszeichnet
Die Kleine Cirspitze, italienisch Piccolo Cir und ladinisch Pitla Cir, steht oberhalb des Grödner Jochs zwischen Gröden und Alta Badia. Der Ausgangspunkt liegt bereits auf etwa 2.100 Metern, der Gipfel auf rund 2.520 Metern. Dadurch hält sich der Höhenunterschied in Grenzen, während die Landschaft sofort hochalpin wirkt.
Die Tour ist kein langer Höhenweg, sondern eine kompakte Via Ferrata mit viel Felskontakt. Besonders beeindruckend finde ich den Blick auf die Nordwand des Sellastocks, den Langkofel, das Langental und das Puez-Hochplateau. Gerade diese Mischung aus kurzer Gehzeit und großer Aussicht macht den Steig beliebt.
Der Begriff „leicht“ sollte allerdings nicht falsch verstanden werden. Die Kletterpassagen sind zwar überwiegend gut gesichert und mit brauchbaren Tritten versehen, doch die Route ist stellenweise sehr ausgesetzt. Wer bei Tiefblicken unsicher wird, erlebt den kurzen Steig nicht automatisch als einfache Tour.
Tourdaten realistisch einschätzen
Die Angaben unterscheiden sich je nach Startpunkt, Wegvariante und persönlichem Tempo. Für die Planung nutze ich deshalb lieber einen realistischen Bereich als eine scheinbar exakte Minutenangabe.
| Merkmal | Richtwert |
|---|---|
| Gipfelhöhe | etwa 2.520 m |
| Höhenmeter | rund 300 bis 415 hm |
| Gesamtstrecke | etwa 3,3 bis 3,5 km |
| Gesamtdauer | ca. 1,5 bis 2,5 Stunden |
| Schwierigkeit | B bis B/C, lokal auch anspruchsvoller empfunden |
| Reine Klettersteigpassage | ungefähr 30 bis 45 Minuten |
Von der Bergstation Dantercepies erreichst du den Einstieg in ungefähr 15 Minuten. Vom Grödner Joch kommen etwa 20 Minuten Gehzeit hinzu. Wer langsam unterwegs ist, Fotopausen einlegt oder die Route bei Gegenverkehr begeht, sollte eher mit zwei bis zweieinhalb Stunden rechnen.
Die offizielle Schwierigkeit liegt im leichten bis moderaten Bereich. Ich würde die Tour dennoch nicht als reine Anfängerroute ohne Vorbereitung empfehlen, denn Höhenangst, Nässe und Geröll machen einen größeren Unterschied als ein einzelner Buchstabe in der Bewertung.
So verläuft der Aufstieg zum Gipfel
Vom Grödner Joch zum Einstieg
Vom Parkplatz am Grödner Joch folgst du dem ausgeschilderten Weg in Richtung Cirspitzen und Dantercepies. An der Weggabelung ist die Orientierung wichtig, weil sich hier die Wege zur Kleinen und zur Großen Cirspitze trennen. Halte dich an die Markierungen und gehe nicht versehentlich in die östlich gelegene Schlucht.
Von der Bergstation Dantercepies führt der Zustieg zunächst über einen kurzen, ansteigenden Weg und anschließend über einen grasigen Rücken. Danach wird das Gelände steiler und führt in Richtung Einstiegsrinne. Geröll im Zustieg ist hier normal, deshalb solltest du ausreichend Abstand zu vorausgehenden Gruppen halten.
Die gesicherte Passage
Der eigentliche Klettersteig beginnt an einer kurzen Leiter beziehungsweise an einer gesicherten Felsstufe. Danach geht es am Drahtseil über festen Fels nach oben. Eine Querung und eine steilere, ausgesetzte Wandstelle bilden den technisch interessantesten Abschnitt.
Die Tritte sind meist gut erkennbar, trotzdem musst du aktiv mit den Beinen arbeiten. Das Klettersteigset dient zur Sicherung und nicht dazu, dich dauerhaft an den Armen hochzuziehen. Wer sich auf ruhige Schritte und saubere Karabinerwechsel konzentriert, spart Kraft und kommt sicherer voran.
Im oberen Bereich wird das Gelände teilweise leichter. Ein kurzer Abschnitt am Grat kann ohne durchgehendes Stahlseil verlaufen, bevor die letzte steile Stelle am Gipfelaufbau folgt. Dort erreichst du über eine weitere gesicherte Passage den kleinen Gipfel mit seinem eindrucksvollen Rundblick.
Bei Problemen gibt es im Verlauf eine Möglichkeit, die Ferrata vorzeitig zu verlassen. Das ist hilfreich, ersetzt aber keine solide Tourenplanung, denn auch der Rückweg über steiles Gelände bleibt anspruchsvoll.
Der Abstieg ist kurz, aber nicht nebensächlich
Vom Gipfel steigst du zunächst in Richtung Norden zur Scharte ab. Anschließend führt die Route durch eine steile Geröllrinne zwischen den Cirspitzen. Je nach Abschnitt helfen Drahtseile, doch der Untergrund bleibt beweglich und verlangt konzentriertes Gehen.
Beim Abstieg passieren die meisten Fehler. Viele treten unbewusst kleine Steine los oder setzen sich zu früh in Bewegung, obwohl noch eine Gruppe unter ihnen steht. Ich lasse in solchen Rinnen grundsätzlich großzügigen Abstand, bewege mich langsam und sichere heikle Stellen lieber mit dem Klettersteigset, sofern ein Drahtseil vorhanden ist.
Die Rinne mündet wieder in das Zustiegsgebiet. Von dort geht es über den bekannten Weg zurück zur Bergstation oder zum Grödner Joch. Stöcke gehören in den Rucksack, solange du dich im gesicherten oder gerölligen Abschnitt bewegst, damit beide Hände frei bleiben.
Für wen die Tour geeignet ist
Geeignet ist die Kleine Cirspitze für trittsichere Bergwanderer mit Klettersteigerfahrung oder für Einsteiger, die von einem erfahrenen Partner beziehungsweise Bergführer begleitet werden. Du solltest schwindelfrei sein, dich auf ausgesetztem Fels sicher bewegen und auch nach dem Gipfel noch genügend Konzentration für den Abstieg haben.
Für eine erste Klettersteigtour allein halte ich sie nicht für ideal. Die technische Schwierigkeit ist überschaubar, aber die Kombination aus Höhenlage, Tiefblick und Geröllabstieg verlangt mehr als nur Kraft. Kinder sollten die Route nur nach genauer Einschätzung und am besten mit professioneller Begleitung begehen. Für Hunde ist der Steig nicht geeignet.
Lesen Sie auch: Schwierigkeitsgrade beim Klettern richtig einordnen
Die passende Ausrüstung
- EN-958-konformes Klettersteigset mit Bandfalldämpfer
- gut sitzender Kletter- oder Berggurt
- Helm während des gesamten Klettersteigs und in der Geröllrinne
- griffige Bergschuhe oder stabile Zustiegsschuhe
- Rucksack mit Regen- und Wärmeschutz
- ausreichend Wasser und eine kleine Energiereserve
- optionale Klettersteighandschuhe für besseren Komfort
Ein Klettersteigset ohne Bandfalldämpfer gehört nicht auf diese Route. Auch ein improvisiertes Umhängen am Drahtseil ist keine sichere Alternative. Bei Gewitter, Vereisung, nassem Fels oder schlechter Sicht verschiebe ich die Tour konsequent.
Anreise, Saison und sinnvolle Kombinationen
Das Grödner Joch erreichst du über Gröden oder Alta Badia. Von Wolkenstein fährt während der Betriebszeiten die Dantercepies-Bahn in die Nähe des Zustiegs. Außerdem gibt es eine Busverbindung zum Grödner Joch, was für eine umweltfreundlichere Anreise interessant ist und die Parkplatzsuche entlastet.
Die südseitige Lage kann eine Begehung im späten Frühjahr oder Herbst begünstigen. Trotzdem können in der Einstiegsrinne und im Abstiegsschotter noch Altschneefelder oder Vereisungen liegen. Vor der Tour prüfe ich deshalb Wetter, Bahnbetrieb, Wegzustand und aktuelle Hinweise der örtlichen Bergbahnen oder Tourismusstellen.
Wer nach der kurzen Ferrata noch Reserven hat, kann die Tour mit der nahe gelegenen Großen Cirspitze verbinden. Diese Variante verlängert das Erlebnis, verändert aber auch den Zeit- und Kraftaufwand. Ich würde beide Gipfel nur kombinieren, wenn der Abstieg der Kleinen Cirspitze problemlos verlief und das Wetter stabil bleibt.
Für die Landschaft gilt ein einfacher Grundsatz. Bleibe auf den markierten Wegen, meide Abkürzungen durch die alpinen Rasenflächen und nimm sämtlichen Müll wieder mit. Gerade an einem stark besuchten Aussichtspunkt hilft rücksichtsvoller Bergsport dabei, die empfindliche Dolomitenlandschaft zu erhalten.
Die Kleine Cirspitze passt am besten in einen gut geplanten halben Tag
Die Ferrata auf die Kleine Cirspitze ist kurz, aussichtsreich und technisch moderat, aber keineswegs ein Spaziergang. Wer den Zustieg, die ausgesetzte Felswand und den gerölligen Abstieg als zusammenhängende alpine Tour betrachtet, bekommt ein anspruchsvolles und sehr lohnendes Dolomitenerlebnis.
Meine Empfehlung lautet deshalb, nicht nur auf die angegebene Schwierigkeit zu schauen. Entscheidend sind Schwindelfreiheit, trockene Verhältnisse, vollständige Ausrüstung und genügend Zeit für den Rückweg. Dann spielt die Route ihre größte Stärke aus: viel Berggefühl auf relativ wenigen Kilometern.