Wer an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus dem Auto steigt, sieht nicht einfach nur eine weiße Fläche, sondern ein sich rasch veränderndes Stück Alpenlandschaft. Die Pasterze am Großglockner ist der größte Gletscher der Ostalpen und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sichtbar der Klimawandel im Hochgebirge geworden ist. Ich zeige, wo der Gletscher liegt, was man vor Ort unternehmen kann, welche Sicherheitsregeln gelten und warum sich ein Besuch auch ohne Gletscherbesteigung lohnt.
Die wichtigsten Fakten für deinen Besuch an der Pasterze
- Lage: Die Pasterze liegt am Großglockner in Kärnten im Nationalpark Hohe Tauern.
- Aussichtspunkt: Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf etwa 2.369 Metern bietet sich der bekannteste Blick auf das Eis.
- Zugang: Ein gesicherter alpiner Weg führt in ungefähr 30 Minuten in Richtung Gletscher.
- Veränderung: Die Hauptzunge verlor im Messjahr 2024/25 rund 54 Meter an Länge.
- Sicherheit: Das Gletschervorfeld ist kein gewöhnlicher Spazierweg. Eis, Schmelzwasser, Steinschlag und Spalten können gefährlich sein.

Wo die Pasterze liegt und was sie besonders macht
Die Pasterze befindet sich am Fuß des Großglockners in der Glocknergruppe, im österreichischen Bundesland Kärnten. Sie gehört zum Nationalpark Hohe Tauern und gilt als größter Gletscher der gesamten Ostalpen. Der klassische Aussichtspunkt ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, die über die Großglockner-Hochalpenstraße erreichbar ist.
Die veröffentlichten Größenangaben hängen vom jeweiligen Messjahr ab. Der Nationalpark nennt als Richtwert eine Fläche von etwa 16 Quadratkilometern und eine rund vier Kilometer lange Gletscherzunge. Ältere Messungen weisen größere Werte aus. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, wie stark sich der Gletscher verändert.
Mich beeindruckt an der Pasterze vor allem ihre Lage im gesamten Landschaftsbild. Gegenüber ragt der Großglockner auf, unterhalb des Aussichtspunkts öffnen sich Moränenflächen, Schmelzwasserläufe und junge Seen. Man betrachtet hier also nicht nur einen Gletscher, sondern einen Lebensraum, der sich ständig neu formt.
Warum der Blick von oben so wichtig ist
Von der Aussichtsplattform lässt sich die Entwicklung besonders gut nachvollziehen. Die frühere Gletscherbahn führte einst deutlich näher an das Eis heran. Heute liegt zwischen dem ehemaligen Bahnziel und der Gletscherzunge ein deutlich längerer Weg. Der Abstand selbst ist bereits ein sichtbares Maß des Gletscherrückgangs.
Im Vorfeld der Pasterze entstehen durch das Schmelzwasser neue Bäche, Schotterflächen und Seen. Der Sandersee ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Landschaft nach dem Rückzug des Eises verändert. Wer aufmerksam schaut, erkennt hier nicht nur Eis, sondern auch die nächste Entwicklungsphase des Hochgebirges.
Was du an der Pasterze unternehmen kannst
Für die meisten Besucher ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe der beste Ausgangspunkt. Dort gibt es Aussichtsmöglichkeiten, Informationen und Ausstellungen. Die Großglockner-Hochalpenstraße führt bis auf etwa 2.369 Meter Höhe, allerdings ist die Zufahrt saisonabhängig und kann durch Wetter oder Schneelage eingeschränkt sein.
Ein gesicherter alpiner Weg führt von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe in Richtung Gletscher. Für den Abstieg zum Gletscherbereich werden ungefähr 30 Minuten Gehzeit angegeben. Der Rückweg dauert wegen des Anstiegs meist länger. Ich würde für den gesamten Ausflug mindestens zwei bis drei Stunden einplanen, damit Aussichtspunkte, kurze Pausen und Wetterwechsel nicht zum Stressfaktor werden.
Für wen sich der Besuch eignet
- Familien: Die Aussichtspunkte sind deutlich unkomplizierter als eine Gletscherwanderung, doch Höhe und Wetter sollten berücksichtigt werden.
- Fotografen: Früh am Tag sind Licht und Kontraste oft angenehmer, während sich am Nachmittag häufiger Wolken am Großglockner sammeln.
- Wanderer: Das Gletschervorfeld bietet interessante Wege, verlangt aber Trittsicherheit und eine realistische Einschätzung der Bedingungen.
- Naturinteressierte: Informationstafeln und geführte Angebote erklären Eisbewegung, Moränen und die Folgen des Klimawandels besonders anschaulich.
Eine geführte Wanderung entlang des Gletscherwegs ist aus meiner Sicht besonders sinnvoll, wenn du mehr als ein schönes Foto mitnehmen möchtest. Fachkundige Begleiter erklären, wo der Gletscher früher lag, wie Schmelzwasser die Landschaft formt und weshalb manche Bereiche trotz ihrer scheinbaren Nähe nicht betreten werden dürfen.
Gletscherweg und Gletschervorfeld sicher erleben
Der Weg in Richtung Pasterze ist kein hochalpiner Klettersteig, aber er liegt in einer Umgebung, die sich nicht wie ein gewöhnlicher Wanderweg verhält. Markierte Wege dürfen nicht eigenmächtig verlassen werden. Besonders im Gletschervorfeld können lose Steine, nasser Untergrund und schnell anschwellende Wasserläufe auftreten.
Ich empfehle feste Bergschuhe mit gutem Profil, eine winddichte Jacke, Sonnen- und Regenschutz sowie ausreichend Wasser. Auf dieser Höhe kann das Wetter innerhalb kurzer Zeit kippen. Auch an einem sonnigen Sommertag sind kalter Wind, Nebel oder Schneefelder möglich.
Warum der Gletscher nicht einfach betreten werden sollte
Gletscher wirken aus der Entfernung oft stabiler, als sie tatsächlich sind. Unter einer dünnen Schneedecke können sich Spalten verbergen, während an der Gletscherfront Eisblöcke abbrechen und Schmelzwasser den Untergrund unterspülen kann. Ohne alpine Gletschererfahrung und passende Ausrüstung ist ein eigenständiger Aufstieg auf das Eis keine gute Idee.
Auch das Fotografieren direkt an der Gletscherkante ist riskanter, als viele Besucher vermuten. Der sichere Abstand ist nicht übertrieben, sondern schützt vor Steinschlag, Eissturz und plötzlich veränderten Wasserläufen. Für eine echte Gletscherbegehung würde ich ausschließlich eine geführte Tour mit qualifizierter Bergführung wählen.
Was bei der Planung oft übersehen wird
Die Höhe belastet manche Menschen stärker als erwartet. Kopfschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit oder Atemnot sind Signale, das Tempo zu reduzieren und gegebenenfalls umzukehren. Wer mit Kindern, älteren Personen oder wenig bergerfahrenen Begleitern unterwegs ist, sollte den Aussichtspunkt nicht mit dem Abstieg zum Gletscher gleichsetzen.
Außerdem ist die Straße zum Großglockner mautpflichtig und nicht ganzjährig befahrbar. Öffnungszeiten, Straßenverhältnisse und mögliche Sperren sollten deshalb unmittelbar vor der Fahrt geprüft werden. Ein schöner Ausflug beginnt hier mit einer realistischen Zeitplanung, nicht mit dem Versuch, die letzte verfügbare Stunde auszureizen.
Was der Rückgang der Pasterze sichtbar macht
Der Rückzug ist an der Pasterze besonders eindrücklich, weil der Gletscher von einem viel besuchten Aussichtspunkt aus beobachtet werden kann. Laut dem aktuellen Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins zog sich die Hauptzunge im Messjahr 2024/25 um 54 Meter zurück. Damit gehört sie weiterhin zu den Gletschern, an denen die Folgen wärmerer Jahre sehr deutlich sichtbar werden.
Neben der Längenänderung verliert das Eis auch an Dicke. Auf Messpunkten der Pasterzenzunge wurde von 2024 auf 2025 ein durchschnittliches Einsinken von etwa 7,3 Metern festgestellt. Die Eisbewegung ist in den unteren Bereichen inzwischen stark verlangsamt. Fachleute sprechen teilweise von einem Zustand, in dem die Zunge eher wie ein ruhender Eiskörper abschmilzt, als dass sie aktiv ins Tal fließt.
Der Österreichische Alpenverein beobachtet die Pasterze bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die langfristigen Messreihen sind deshalb wertvoller als ein einzelnes Vergleichsfoto. Sie zeigen, dass kurze Phasen mit mehr Schnee den über Jahrzehnte erkennbaren Trend nicht umkehren können.
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Warum das nicht nur ein Thema für Bergfreunde ist
Gletscher speichern Wasser und beeinflussen den Abfluss in den Sommermonaten. Ihr Rückgang verändert die Wasserversorgung, die Landschaftsentwicklung und das Risiko durch instabile Hänge und neue Schmelzwasserseen. Die Pasterze ist damit nicht nur ein touristisches Ziel, sondern auch ein natürlicher Anzeiger für Veränderungen im Alpenraum.
Gerade deshalb halte ich es für sinnvoll, den Besuch nicht als Abschiedstourismus zu inszenieren. Die Landschaft ist empfindlich, aber nicht wehrlos. Rücksicht auf Wege, Tiere, Wasserläufe und lokale Schutzregeln ist eine konkrete Form von Naturschutz, die jeder Besucher leisten kann.
So planst du den Besuch nachhaltig und entspannt
Wer aus Deutschland anreist, sollte die Pasterze eher als Bestandteil einer Alpenreise betrachten und nicht als kurzen Abstecher von Oberstdorf aus. Die Entfernung ist beträchtlich, und Wetter oder Verkehr können die Fahrzeit deutlich verlängern. Eine Übernachtung in der Region macht den Ausflug entspannter und ermöglicht es, die Hochalpenstraße bei guten Bedingungen zu erleben.
Für die Anreise empfehle ich, Fahrgemeinschaften zu bilden oder öffentliche Verkehrsmittel und regionale Busangebote zu prüfen. Auf der Hochalpenstraße selbst sollte man langsam und aufmerksam fahren. Die Strecke ist landschaftlich außergewöhnlich, aber enge Kurven, Radfahrer und wechselnde Sicht verlangen volle Konzentration.
- Beste Tageszeit: Früh starten, wenn die Sicht oft ruhiger und der Besucherandrang geringer ist.
- Ausrüstung: Bergschuhe, warme Kleidung, Sonnenschutz, Wasser und eine kleine Notfallausrüstung einpacken.
- Wetter: Nur bei stabilen Verhältnissen weiter ins Gletschervorfeld gehen.
- Verhalten: Auf markierten Wegen bleiben, keine Steine oder Pflanzen mitnehmen und Tiere nicht füttern.
- Mobilität: Vorab prüfen, ob Straße, Parkmöglichkeiten und Einrichtungen tatsächlich geöffnet sind.
Eine kleine Beobachtungsaufgabe macht den Besuch besonders lehrreich. Fotografiere den Gletscher von einem sicheren Punkt aus, notiere Datum und Wetter und vergleiche das Bild später mit historischen Aufnahmen vor Ort. So wird aus einem Aussichtsmotiv eine persönliche Dokumentation der Landschaftsveränderung.
Warum die Pasterze mehr ist als ein Fotomotiv
Die Pasterze verbindet mehrere Ebenen des Berglebens: eine außergewöhnliche Aussicht, anspruchsvolle Naturbedingungen und eine Veränderung, die sich nicht abstrakt, sondern direkt vor den Augen abspielt. Wer den Gletscher besucht, muss dafür keine riskante Tour unternehmen. Der Blick von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, ergänzt durch einen verantwortungsvoll geplanten Weg ins Vorfeld, reicht bereits aus.
Ich würde den Besuch deshalb mit Ruhe angehen. Gute Schuhe, Zeit für Wetterwechsel und Respekt vor dem Eis sind wichtiger als die größtmögliche Nähe zur Gletscherzunge. Genau darin liegt der besondere Wert dieses Ortes: Man erlebt die Hochalpen intensiv, ohne sie unnötig zu belasten.