Zwischen türkisblauem See, steilen Karwendelwänden und den grünen Hängen des Rofans liegen einige der schönsten Einkehrziele Tirols. Die Almen am Achensee eignen sich sowohl für gemütliche Familienausflüge als auch für anspruchsvolle Bergtouren. Ich zeige, welche Ziele sich besonders lohnen, wie viel Zeit und Kondition du einplanen solltest und worauf es bei Öffnungszeiten, Ausrüstung und Naturschutz ankommt.
Die besten Almen verbinden leichte Wege mit echter Bergatmosphäre
- Gramai Alm ist ein vielseitiges Ziel im Falzthurntal und auch für Familien erreichbar.
- Die Dalfaz Alm punktet mit Aussicht, Wasserfall und dem Panorama des Rofans.
- Zur Gaisalm gelangst du zu Fuß oder mit dem Schiff, eine seltene Kombination in den Alpen.
- Vor jeder Tour solltest du Öffnungsstatus und Wegbedingungen aktuell prüfen.
- Auf den Weiden zählen Abstand zu Tieren, geschlossene Gatter und markierte Wege.

Almen am Achensee bieten mehr als eine schöne Terrasse
Eine Alm ist zunächst kein Restaurant, sondern eine saisonal genutzte Weidefläche mit Wirtschaftsgebäuden. Manche Gebäude sind bewirtschaftete Almen mit Jause und Getränken, andere bleiben reine Arbeitsorte. Genau diese Mischung macht die Region interessant, denn eine Wanderung führt hier nicht nur zu einer Einkehr, sondern mitten in eine lebendige alpine Kulturlandschaft.
Rund um den See treffen zwei sehr unterschiedliche Gebirgsräume aufeinander. Das Karwendel westlich des Achensees wirkt waldreich und weitläufig, während das Rofangebirge östlich des Sees stärker von schroffen Felsen und aussichtsreichen Hochflächen geprägt ist. Für mich liegt darin der größte Reiz: Du kannst am Vormittag auf einem breiten Forstweg unterwegs sein und wenige Kilometer später bereits echtes alpines Gelände erleben.
Die Ziele lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Es gibt familienfreundliche Almen mit moderaten Steigungen, klassische Berggasthöfe für eine aussichtsreiche Pause und höher gelegene Hütten, die nur mit guter Kondition und sicherem Tritt erreichbar sind.
Vier Ziele, die unterschiedliche Erlebnisse liefern
Eine pauschale Rangliste wäre wenig sinnvoll. Die beste Alm hängt davon ab, ob du mit Kindern unterwegs bist, eine kurze Einkehr suchst oder eine anspruchsvolle Tagestour planst. Diese Auswahl deckt die wichtigsten Varianten ab.
| Ziel | Besonderheit | Geeignet für | Wichtige Angaben |
|---|---|---|---|
| Gramai Alm | Blumenwiesen, Karwendelpanorama und Anschluss an höhere Touren | Familien, Genusswanderer, ambitionierte Bergsteiger | Auf 1.263 m; ab Pertisau etwa 16,4 km und 320 Höhenmeter hin und zurück |
| Dalfaz Alm | Ausblick über den See und Verbindung mit dem Dalfazer Wasserfall | Wanderer mit mittlerer Kondition | Auf rund 1.693 m; Rundtour ab Maurach etwa 10,5 km, 840 Höhenmeter und 4,5 Stunden |
| Gaisalm | Direkte Lage am See und Zugang per Schiff oder Mariensteig | Spaziergänger, Familien mit älteren Kindern, Seewanderer | Der Steig ist mittelschwer und verlangt Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit |
| Astenau Alpe | Sonnenterrasse und weiter Blick ins Inntal | Ausdauernde Wanderer für eine kompakte Halbtagestour | Auf 1.483 m; ab Eben etwa 4,5 km, 505 Höhenmeter und 2 Stunden 15 Minuten |
Gramai Alm für den entspannten Einstieg
Die Gramai Alm liegt am Ende des Falzthurntals und ist eines der unkompliziertesten Ziele der Region. Von Pertisau führt eine vergleichsweise gleichmäßige Route durch das Tal. Mit 320 Höhenmetern bleibt die Tour auch für weniger geübte Wanderer machbar, allerdings solltest du die Strecke von mehr als 16 Kilometern nicht unterschätzen.
Wer nur einkehren möchte, kann die Tour gemütlich angehen. Wer mehr Herausforderung sucht, steigt von dort zum Gramai Hochleger auf und weiter in Richtung Sonnjoch. Diese Variante ist mit 1.200 Höhenmetern und rund 6,5 Stunden deutlich anspruchsvoller und gehört nicht mehr in die Kategorie Familienwanderung.
Dalfaz Alm mit Aussicht und Wasserfall
Die Dalfaz Alm ist mein Favorit für alle, die eine Einkehr mit einem abwechslungsreichen Weg verbinden möchten. Die Route ab Maurach führt über den Dalfazer Wasserfall hinauf und bietet dadurch mehr als nur einen gleichmäßigen Forstweg. Der Preis dafür sind 840 Höhenmeter, die eine solide Grundkondition verlangen.
Eine kürzere Möglichkeit bietet die Rofan Seilbahn. Von der Bergstation ist die Alm ungefähr in einer Stunde erreichbar. Das spart Kraft, nimmt der Tour aber auch einen Teil des sportlichen Charakters. Ich würde diese Variante wählen, wenn der Panoramagenuss im Vordergrund steht oder die Zeit knapp ist.
Gaisalm für Seegefühl statt Gipfelstress
Die Gaisalm liegt zwischen Pertisau und Achenkirch direkt am Achensee und ist nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar. Der Mariensteig ist landschaftlich großartig, verläuft aber nicht durchgehend bequem. Schmale Passagen, Stufen und ausgesetzte Stellen machen griffige Wanderschuhe und einen sicheren Tritt notwendig.
Mit kleineren Kindern würde ich die Schiffsfahrt bevorzugen oder nur einen geeigneten Teilabschnitt des Steigs gehen. So bleibt die Gaisalm erreichbar, ohne aus einem Ausflug eine unnötig anstrengende Unternehmung zu machen.
Die passende Almwanderung nach Kondition wählen
Die meisten Enttäuschungen entstehen nicht durch die Landschaft, sondern durch eine falsche Einschätzung von Länge und Höhenmetern. Eine Tour mit wenigen Kilometern kann anstrengender sein als ein längerer Talweg, wenn sie steil, heiß oder technisch anspruchsvoll ist.
- Für Familien und Einsteiger eignen sich breite Wege im Falzthurntal, zur Gramai Alm oder kürzere Talabschnitte rund um Pertisau.
- Für geübte Genusswanderer passen die Dalfaz Alm, die Astenau Alpe oder die Wege zur Pletzachalm.
- Für erfahrene Bergsteiger kommen Übergänge zur Köglalm, der Gramai Hochleger oder Gipfelziele wie das Sonnjoch infrage.
Als einfache persönliche Regel plane ich für eine gemütliche Almwanderung immer etwas mehr Zeit ein als die reine Gehzeit. Eine Pause, Gegenverkehr auf schmalen Steigen, nasse Wurzeln oder eine längere Einkehr gehören zum Bergerlebnis dazu. Bei einer angegebenen Gehzeit von vier Stunden rechne ich deshalb mit fünf bis sechs Stunden Tagesrahmen.
Auch der Rückweg zählt. Wer mit der Seilbahn aufsteigt, muss die letzte Talfahrt kennen. Wer mit dem Schiff von der Gaisalm zurückfahren möchte, sollte den Fahrplan nicht erst auf der Terrasse studieren. Die interaktive Tourenkarte der Region hilft dabei, Weglänge, Höhenmeter, Schwierigkeitsgrad und mögliche Einkehrziele zusammenzubringen.
Öffnungszeiten, Anreise und Ausrüstung entscheiden über den Tag
Almen arbeiten saisonal. Öffnungszeiten können sich wegen Wetter, Personal, Ruhetagen oder Schneelage ändern. Selbst im Sommer bedeutet ein geöffnetes Gebäude nicht automatisch, dass jede Zufahrtsstraße frei befahrbar ist. Ich prüfe deshalb am Morgen der Tour den aktuellen Status und speichere mir eine Alternative ohne Einkehr.
Die beste Reisezeit
Die klassische Saison liegt meist zwischen späten Frühlingstagen und dem frühen Herbst. Im Mai und Juni können höhere Wege noch nass oder teilweise verschneit sein, während im September die Tage bereits spürbar kürzer werden. Für eine entspannte Tour mit sicherer Einkehr sind Juli und August meist am unkompliziertesten, allerdings auch am stärksten besucht.
Im Herbst lohnt sich ein früher Start. Weniger Menschen, klare Luft und verfärbte Wälder sind ein starkes Argument, doch Gewitter und Nebel können die Sicht rasch verändern. Im Winter sind nicht alle Sommerwege begehbar, und eine Almwanderung darf nicht einfach mit einer Winterwanderung gleichgesetzt werden.
Lesen Sie auch: Adlerhorst am Haldensee - Routen, Aussicht und Einkehr
Was in den Rucksack gehört
- stabile Wanderschuhe mit griffiger Sohle
- ausreichend Wasser und eine kleine Notreserve an Verpflegung
- Regen- und Wärmeschicht, auch bei sonniger Wettervorhersage
- offline gespeicherte Karte und geladenes Mobiltelefon
- etwas Bargeld, da Kartenzahlung in abgelegenen Betrieben nicht garantiert ist
- kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung und Sonnenschutz
Mit dem Auto erreichst du die Ausgangspunkte meist bequem, doch Parkplätze und Mautregelungen unterscheiden sich je nach Tal. Für eine stressärmere Anreise lohnt es sich, Busverbindungen über Jenbach und den regionalen Linienverkehr zu prüfen. Gerade bei beliebten Zielen kann öffentliche Anreise die angenehmere Lösung sein.
Nachhaltig unterwegs zwischen Weide und Naturpark
Die Almen sind keine dekorative Kulisse. Sie werden durch Landwirtschaft gepflegt, und viele offene Wiesen würden ohne Beweidung oder Mahd verbuschen. Wer dort einkehrt, unterstützt regionale Betriebe direkt, sollte aber akzeptieren, dass ein Arbeitsgebiet andere Regeln hat als ein Stadtpark.
- Bleibe auf markierten Wegen und schneide keine Kehren ab.
- Schließe Weidegatter nach dem Durchgehen wieder.
- Halte Abstand zu Kühen, Kälbern und anderen Tieren.
- Führe Hunde kurz und leine sie bei Weidevieh konsequent an.
- Nimm deinen Müll wieder mit, auch organische Reste gehören nicht auf die Wiese.
- Verzichte auf Drohnen und laute Musik in sensiblen Naturbereichen.
Besonders wichtig ist der Umgang mit Rindern. Die Tiere wirken ruhig, können sich aber durch Hunde oder bedrängende Wanderer bedroht fühlen. Wenn eine Herde den Weg versperrt, bleibe ruhig, halte Distanz und suche, sofern möglich, einen großzügigen Umweg. Ein paar Minuten Umweg sind immer besser als ein riskanter Durchgang.
Regionale Spezialitäten wie Kaspressknödel, Tiroler Gröstl oder Kaiserschmarrn gehören für mich zu einer gelungenen Almwanderung. Noch besser schmeckt die Einkehr, wenn sie nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet wird, sondern als Teil eines Systems, das Landschaft, Landwirtschaft und Tourismus miteinander verbindet.
Mein idealer Tag zwischen See und Almwiese
Für einen ersten Besuch würde ich morgens in Pertisau starten und eine moderate Route in Richtung Falzthurn wählen. Nach der Einkehr lässt sich der Tag je nach Kondition verlängern oder entspannt am See ausklingen. Wer lieber Aussicht und Höhenmeter sammelt, nimmt Maurach als Ausgangspunkt und plant die Dalfaz Alm mit dem Wasserfall ein.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Ziele an einem Tag abzuhaken. Die schönste Erfahrung entsteht, wenn Route, Wetter, Kondition und Öffnungsstatus zusammenpassen. Dann wird aus einer einfachen Hütteneinkehr ein Bergtag, an den ich mich gerne zurückerinnere.