Wer am Tegernsee einen aussichtsreichen Gipfel mit echtem Berggefühl sucht, findet in der 1.668 Meter hohen Bodenschneid eine starke Wahl. Ich zeige, welcher Aufstieg für einen normalen Wandertag am sinnvollsten ist, wie viel Zeit und Kondition nötig sind, wo geparkt werden kann und wann das Bodenschneidhaus die Tour angenehm abrundet.
Die wichtigsten Eckdaten für deine Gipfelplanung
- Höhe: 1.668 m in den Bayerischen Voralpen zwischen Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee
- Direktroute: ab Enterrottach rund 6,2 km, 777 Höhenmeter und etwa 3:29 Stunden für Hin- und Rückweg
- Schwierigkeit: mittelschwere Bergwanderung mit steilen Waldpassagen und etwas Trittsicherheit
- Beste Zeit: meist von Mai bis Oktober, abhängig von Schnee, Nässe und Wegzustand
- Einkehr: Das Bodenschneidhaus liegt auf 1.365 m und ist ein sinnvoller Zwischenstopp bei längeren Varianten

Warum sich die Bodenschneid bei Tegernsee besonders lohnt
Die Bodenschneid ist kein hochalpiner Dreitausender, aber genau darin liegt ihr Reiz. Der Berg verbindet überschaubare Höhe mit einem überraschend weiten Panorama auf den Tegernsee, das Spitzingseegebiet, die Bayerischen Voralpen und bei klarer Sicht bis zu den Hohen Tauern.
Der Gipfel liegt zwischen mehreren bekannten Ausflugsregionen. Dadurch wirkt die Tour geografisch abwechslungsreicher als ein gewöhnlicher Aufstieg aus einem einzigen Tal. Im unteren Bereich wandert man durch Wald, später über Almwiesen und zum Schluss über einen offenen, sonnigen Gipfelhang.
Ich mag an dieser Tour besonders den Wechsel der Landschaft. Der Wald schenkt an warmen Tagen Schatten, während die letzten Kehren zum Gipfel den Blick immer weiter freigeben. Wer nur ein kurzes Zeitfenster hat, bekommt hier dennoch eine vollständige Bergwanderung mit Gipfelkreuz und Panorama.
Der direkte Aufstieg über Enterrottach
Für den ersten Besuch empfehle ich den direkten Weg ab dem kleinen Wanderparkplatz an der Mautstraße zwischen Enterrottach und Valepp. Der Ausgangspunkt liegt etwa 1,1 Kilometer hinter der Mautstelle in Richtung Sutten und Moni-Alm. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt, deshalb lohnt sich ein früher Start besonders an Wochenenden.
So verläuft die Runde
- Vom Parkplatz folgt man zunächst kurz dem breiten Forstweg.
- Schon nach wenigen Metern zweigt der markierte Waldsteig nach links ab.
- Der stellenweise steile Pfad führt hinauf zur Bodenalm.
- Über die Almwiese geht es zur Hütte des Skivereins Hochvogel am Waldrand.
- Durch lichten Wald und mehrere Kehren steigt man zum freien Gipfelhang auf.
- Am großen Gipfelkreuz bietet sich der beste Blick Richtung Tegernsee.
- Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg zurück zum Parkplatz.
Die von Bergwelten beschriebene Variante ist mit 6,2 Kilometern, 777 Höhenmetern und 3:29 Stunden angegeben. Diese Zeit ist für gut trainierte Wanderer realistisch. Ich plane mit Kindern, längeren Fotopausen oder unsicherem Wetter lieber vier bis fünf Stunden ein.
Technisch bleibt die Route im Bereich einer mittelschweren Bergwanderung. Die steilen Waldpassagen verlangen vor allem bei feuchtem Boden Konzentration. Wanderstöcke helfen beim Abstieg, ersetzen aber keine festen Schuhe und eine saubere Tritttechnik.
Welche Route zu welchem Wandertag passt
Die Bodenschneid lässt sich von mehreren Seiten erreichen. Die beste Wahl hängt davon ab, ob du möglichst direkt zum Gipfel möchtest, eine Hütteneinkehr planst oder eine längere Überschreitung suchst.
| Variante | Richtwerte | Charakter | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Enterrottach über Bodenalm | 6,2 km, 777 hm, ca. 3:29 h | Direkter, steiler Aufstieg | Gipfeltag mit begrenzter Zeit |
| Fischhausen-Neuhaus über Bodenschneidhaus | Bis zur Hütte etwa 2 h, danach weiterer Gipfelanstieg | Längere Talwanderung mit Einkehr | Wanderer, die Forst- und Almwege mögen |
| Rundtour über Bodenschneidhaus und Kühzagl | Etwa 5 bis 6 h, je nach Start und Wegführung | Abwechslungsreiche Tagestour | Ausdauernde Wanderer mit Zeit für eine Runde |
| Verbindung mit Spitzingsee | Deutlich länger als der Direktaufstieg | Wald, Almen und mehrere Übergänge | Erfahrene Tageswanderer |
Von Fischhausen-Neuhaus führt der Weg zunächst zum Bodenschneidhaus auf der Rettenbeck-Alm. Die Hütte liegt auf 1.365 Metern, sodass bis zum Gipfel rechnerisch noch rund 300 Höhenmeter fehlen. Durch die Wegführung können zusätzliche Gegenanstiege dazukommen, weshalb diese Seite nicht automatisch die leichtere ist.
Die direkte Enterrottacher Route ist meine klare Empfehlung für einen unkomplizierten Gipfelbesuch. Die längere Runde über die Hütte lohnt sich dagegen, wenn der Weg selbst zum Ziel werden soll und eine gemütliche Einkehr wichtiger ist als die kürzeste Gehzeit.
Wetter, Ausrüstung und typische Fehler
Auch ein Voralpengipfel unter 1.700 Metern verdient eine ernsthafte Tourenplanung. Am Gipfel kann der Wind deutlich stärker sein als am Parkplatz, und nach Regentagen verwandeln sich die steilen Waldstellen schnell in rutschige Passagen.
- Schuhe: knöchelhohe Wanderschuhe mit griffiger Sohle
- Kleidung: winddichte Schicht, leichte Regenjacke und zusätzliche warme Lage
- Navigation: Offline-Karte oder Wanderkarte, da im Wald nicht jeder Abzweig eindeutig wirkt
- Verpflegung: mindestens 1 bis 1,5 Liter Wasser pro Person für die direkte Runde
- Extras: Stöcke, Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz und kleine Stirnlampe bei spätem Abstieg
Der häufigste Fehler ist aus meiner Sicht eine zu knappe Zeitplanung. Die Kilometerzahl sieht harmlos aus, doch 777 Höhenmeter auf kurzer Strecke bedeuten einen stetigen Anstieg. Wer erst mittags startet, sollte nicht automatisch mit einer schnellen Rückkehr rechnen.
Von November bis ins Frühjahr können Schnee, Eis und verharschte Querungen die Schwierigkeit deutlich verändern. Für eine normale Wanderung halte ich den Zeitraum Mai bis Oktober für am verlässlichsten. Vor jeder Tour prüfe ich Wetter, Schneelage und mögliche Wegsperrungen für genau den geplanten Tag.
Anreise, Parken und Einkehr sinnvoll planen
Mit dem Auto führt die Anfahrt von Rottach-Egern über Enterrottach in Richtung Sutten und Valepp. Der kleine Parkplatz am Abzweig zur Bodenschneid ist praktisch, aber nicht auf große Besucherzahlen ausgelegt. Ist er voll, sollte man nicht an ungeeigneten Stellen entlang der Mautstraße ausweichen.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert ebenfalls. Von München geht es mit der BRB-Linie RB 57 bis zum Bahnhof Tegernsee, anschließend mit der Buslinie 9560 Richtung Sutten, Moni-Alm oder Valepp. Wer an der Mautstelle Enterrottach aussteigt, muss noch etwa 1,1 Kilometer aufwärts bis zum eigentlichen Ausgangspunkt einplanen. Fahrpläne ändern sich, daher würde ich die Verbindung am Vorabend nochmals kontrollieren.
Das Bodenschneidhaus ist eine gute Ergänzung für die Varianten von Norden oder für eine Rundtour. Die regionale Tourismusseite Tegernsee-Schliersee nennt reguläre Öffnungszeiten von 9 bis 22 Uhr, weist aber zugleich auf kurzfristige Änderungen hin. Für eine geplante Einkehr sollte man sich deshalb nicht allein auf alte Tourenberichte verlassen.
Nachhaltig unterwegs zu sein, ist hier unkompliziert. Ich würde nach Möglichkeit den Bus nehmen, auf den markierten Wegen bleiben, Weidegatter schließen und Hunde in Bereichen mit Vieh kurz führen. Jede Brotzeitverpackung gehört zurück in den Rucksack, denn gerade an beliebten Münchner Hausbergen macht sich jede zusätzliche Belastung der Natur schnell bemerkbar.
Was am Gipfel der Bodenschneid den Unterschied macht
Die schönste Stimmung erlebt man meist früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn das Licht flacher über den Tegernsee fällt. Gleichzeitig darf der Abstieg nicht in die Dunkelheit rutschen, denn die Waldpassagen wirken dann deutlich anspruchsvoller als beim Aufstieg.
Für einen ersten Besuch würde ich die direkte Runde ab Enterrottach wählen, bei stabiler Wetterlage früh starten und die Gipfelrast nicht zu kurz halten. Wer mehr Zeit mitbringt, kann den Rückweg über das Bodenschneidhaus und Kühzagl verlängern. So bleibt die Tour flexibel und passt sowohl zu einem konzentrierten Gipfeltag als auch zu einem genussvollen Bergtag zwischen Tegernsee und Schliersee.